TRAM OBSCURA

Tram Obscura von Simon Lee, Basel 2007, kuratiert von Karin Frei Rappenecker und Brigitte Ulmer

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Tram Obscura: Ein Tram als Kamera.

Mit minimalen Mitteln hat der britische Künstler Simon Lee (*1956) einen Basler Tramwagen zu einer fahrenden Camera Obscura transformiert. Während dreier Wochen vor, während und nach der Art Basel kursierte das spezielle Tram auf einer festgelegten Route. Mit dem Tram Obscura liess sich der Alltagsroutine ein Schnippchen schlagen. Es fuhr nach eigenem Fahrplan, auf einer eigenen Route, und auf der Fahrt reisten die Fahrgäste durch eine buchstäblich verkehrte Welt: Im abgedunkelten Inneren eröffnete sich durch vielfache Öffnungen ein multiples und bewegtes 360°-Panorama.

Den Passagieren bot sich ein Bild der seitenverkehrten und Kopf stehenden Projektion des realen Abbildes des Aussen im Innern. Die besondere visuelle Erfahrung im Tram Obscura wurde durch einen eigens dafür komponierten Soundtrack (Walter Sipser) hörbar verstärkt.

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Reales Abbild des Aussen im Innen.

Beim Tram Obscura stand nicht das Objekt, sondern das Erlebnis, die Schaffung von ephemeren Lebensumgebungen, im Vordergrund. Die Desorientierung war dabei probates Mittel, eingefahrene Routinen und Meinungen über die vertraute Umgebung im Wort- und Bildsinn auf den Kopf zu stellen.

Das Projekt wurde in Zusammenhang mit der Ausstellung «Die Situationistische Internationale» im Museum Tinguely realisiert.

Ganz im Sinn der «Dérive» und im Geist der «Situationistischen Internationale» (1957-1972), der letzten grossen Avantgarde-Bewegung um Guy Debord (1931-1994), diente das Verkehrsmittel für einmal nicht dem zielgerichteten Weg von A nach B, sondern dem ziellosen Umherschweifen, der Passage durch wechselnde Umgebungen. Der Stadtraum, der gewöhnlich als Kulisse für Arbeit und Warenaustausch dient, wurde zu einem Erlebnisfeld, das direkt auf das Gefühlsleben der Basler und Baslerinnen, der Passanten und Flâneure, der Art Basel-Besucher und Touristen einwirkte.

Der Künstler:

Simon Lee(*1956 in Yorkshire GB) lebt und arbeitet in Brooklyn, New York. Ausstellungen in New York, Georgia, Miami, Pennsylvania, Paris, Rom, London. Studienaufenthalte in Boston, Nebraska, Cumbria, Berlin und Marseille.

Ursprünglich hat Simon Lee einen Bus Obscura konzipiert, der während der ART Basel Miami Beach 2004 kursierte. Seither hat Bus Obscura einige Schauplätze hinter sich, nämlich New York (2005), Kampala (Uganda) (2005) Pittsburgh (2005) und London (2006).